Die SchülerInnen erstellen auf spielerische Weise concept cartoons zu vorher ausgearbeiteten Klassenregeln, um diese bildlich und verständlich für alle im Klassenraum darzustellen.

Projektbeschreibung

Unsere Unterrichtsmethode richtet sich vor allem an jene Lehrpersonen, die in heterogenen Klassengemeinschaften unterrichten. Da die Kinder sehr unterschiedliche Bedürfnisse haben und verschiedene Herausforderungen im Schulalltag erleben, kann es dadurch im Klassenraum sehr einfach zu Konflikten kommen, die sich jedoch nicht immer so äußern müssen, dass man das als Lehrperson sofort mitbekommt. Der inklusive Comic bietet eine Möglichkeit, Herausforderungen in der Klasse sichtbar zu machen und mit einem kreativen Ansatz Lösungen dafür zu finden. Durch die inklusive Natur dieser Unterrichtsmethode wird dafür gesorgt, dass es mehr Kindern möglich ist, den eigenen Schulalltag und die damit einhergehenden Herausforderungen in der Klasse darzustellen.


Wir empfehlen den Einsatz des inklusiven Comics besonders den Klassenvorständen, da einerseits mehrere Stunden für die Durchführung benötigt werden (eignet sich gut für “KV-Stunden”) und es sich andererseits doch um ein sehr intimes Thema handelt und die SuS ein Setting benötigen, in dem sie sich sicher fühlen, ihre Herausforderungen und Probleme zu teilen. Im Grunde kann die Methode in jedem Alter durchgeführt werden. Um sinnvolle Ergebnisse erwarten zu können, empfehlen wir jedoch einen Einsatz ab der 7. Schulstufe. Obwohl es sich um eine digitale Unterrichtsmethode handelt, sind keine besonderen technischen Kenntnisse erforderlich. Man sollte sich jedoch schon davor mit dem Programm und der Registrierung für die SuS vertraut machen.


Der gesamte Prototyp inklusive Stundenplanung ist im Anhang zu finden. 

Allgemeine Informationen

Lehrveranstaltung

SE Gestaltung inklusiver Bildungsprozesse - Spielerisch inklusive digitale Bildung gestalten (Günther)

Semester

Wintersemester 2023/24

Lehrender

Mag. Dr. Elisabeth Anna Günther

Projektbeteiligten

Arbiosa Bibaj, Fabiana Weißensteiner, Jan Penitz, Dominik Kögel

Datenschutz

Der Beitrag wurde zur Veröffentlichung freigegeben:  JA

Die Multimedialeninhalte (Fotos, Videos,...) dürfen ohne weiterer Rückfrage und MIT Namensnennung für nicht kommerzielle Zwecke durch den Arbeitsbereich Digitalisierung im Bildungsbereich weiterverwendet werden.

JA



Die Multimedialeninhalte (Fotos, Videos,...) dürfen ohne weiterer Rückfrage und OHNE Namensnennung für nicht kommerzielle Zwecke durch den Arbeitsbereich Digitalisierung im Bildungsbereich weiterverwendet werden.

JA

Als Ersatzleistung für das Fehlen beim dritten und letzten Seminartermin wurden von mir (Dominik Kögel) Gespräche mit zwei Personen geführt, um weitere Rückmeldungen zu unserem Projekt zu erhalten.


Beide Gespräche wurden mit Kolleginnen von mir geführt, die aufgrund unserer Schulform (Wiener Mittelschule) und der langjährigen Erfahrung mit SuS, die dem Spektrum zugeordnet werden können, inzwischen auch als Expertinnen zu diesem Themenbereich bezeichnet werden können.


Der fertige Prototyp wurde zwar bereits abgegeben, dennoch erhoffen wir uns durch die Rückmeldungen als Gruppe weitere Einblicke in unsere Unterrichtmethode, etwaige Verbesserungs- oder Erweiterungsmöglichkeiten sowie mögliche Tipps und Tricks für die eigene Anwendung.


Mit beiden Kolleginnen wurde zunächst ein Gespräch geführt, in welchem das Projekt vorgestellt wurde und dann im Sinne einer SWOT-Analyse Stärken, Schwächen, Möglichkeiten und Hürden von den Kolleginnen erörtert wurden.


Gespräch 1


Das erste Gespräch wurde mit einer Kollegin durchgeführt, die seit vielen Jahren als Klassenvorständin tätig ist und in ihren Klassen bisher immer mehrere Kinder mit Autismus betreute. Sie ist also besonders gut mit dieser Form der Benachteiligung vertraut.


Folgende Punkte wurden (zusammengefasst) genannt:


Stärken:


  • ohne lange Vorbereitungszeit sofort nutzbar
  • als „Projekt“ in geblockten Stunden wie z.B. Kunstunterricht ideal einzusetzen
  • für Kinder mit Autismus ideal, da diese sich oft sehr schwer tun, vor der Klasse zu sprechen
  • fördert digitale Kompetenzen und Design-Skills


Schwächen:


  • Themenfindung könnte für Kinder, die sich „nicht diskriminiert/benachteiligt“ fühlen schwierig werden; viele SuS sind in dem Alter noch nicht wirklich reflektiert, um sich eigener Bedürfnisse oder Benachteiligungen bewusst zu werden; „Öffnung“ und Ansprechen von Problemen könnte in der Gruppe als Schwäche angesehen werden, wodurch sich viele vielleicht nicht trauen
  • aufbauend auf dem vorherigen Punkt: wenn wenige Impulse von den SuS kommen und Themen und Gruppen zugeteilt werden, passiert möglicherweise eine fehlende Identifikation mit dem Thema; keine brauchbaren Ergebnisse
  • Gratis-Version von Canva nicht ideal, da vieles hinter einer Paywall gesperrt ist, und Erwerb der Schullizenz nicht günstig [Anm.: Kollegin hat bereits mehrmals mit dem Programm gearbeitet]


Möglichkeiten:


  • weiterführend können nach der Präsentation der Ergebnisse Gespräche und Diskussionen geführt werden, welche Regeln bzw. „Verhaltenscodes“ man einführt, um das Klassenzimmer für alle SuS zu einem safe space zu machen
  • generell kann man in der Nachbereitung noch viel mit den Comics machen, z.B. einen Schaukasten gestalten oder eine Ausstellung durchführen
  • kann theoretisch mehrmals (z.B. 1 Mal im Jahr) durchgeführt werden, um den SuS mehrere Möglichkeiten zu geben, das eigene Wohlbefinden in der Schule bzw. Klasse zu reflektieren und Herausforderungen anzusprechen


Hürden:


  • sehr abhängig von der Qualität der Klassengemeinschaft und von den Herausforderungen der Kinder (Beispiel: Eltern haben wenig Geld -> was kann da in der Klassengemeinschaft beigetragen werden?)
  • sehr zeitintensiv, wenn man eine effektive Vor- und Nachbereitung machen möchte
  • Stichwort Nachbereitung: wie werden die Ergebnisse präsentiert/vorgestellt? Zum Beispiel werden sich das vielleicht Kinder mit Autismus trotzdem nicht vor der Klasse trauen



Gespräch 2


Das zweite Gespräch wurde mit einer Kollegin durchgeführt, die ebenfalls seit einigen Jahren als Klassenvorständin tätig ist, wobei sie bisher in ihren Klassen zwar auch Erfahrung mit Autismus, aber besonders auch mit anderen Formen der Benachteiligung gemacht hat. Dazu zählen besonders Benachteiligungen aufgrund der Muttersprache und der sozialen bzw. finanziellen Situation bei den Kindern zuhause.


Folgende Punkte wurden von ihr genannt:


Stärken:


  • wenig Sprache notwendig, um auch kompliziertere Sachverhalte ausdrücken zu können
  • Arbeiten mit dem Computer und Comics kann für viele SuS motivierend sein und so dadurch führen, dass sie sich mehr mit dem Thema auseinandersetzen 
  • klare Planung und einfache Umsetzung der Methode
  • einfach einzustellendes und zu bedienendes Programm 
  • SuS bekommen eine Möglichkeit und vor allem viel Zeit, sich über Herausforderungen bewusst zu werden und diese anzusprechen, was sonst im Regelunterricht nicht wirklich möglich ist


Schwächen:


  • Empathie für viele Kinder (vor allem in diesem Alter) schwierig: wenn es selbst keine Probleme gibt, ist es für viele schwierig, die Probleme anderer Kinder nachzuvollziehen
  • in manchen Klassen kann es schwierig sein, die Kinder zu aktivieren, wirklich über solche intimen Themen nachzudenken (Stichwort Peer-Pressure; man möchte cool wirken)

Möglichkeiten:

  • Beispiele aus anderen Klassen können genutzt werden, um den Einstieg in die Methode für die SuS zu erleichtern
  • eignet sich hervorragend für den fächerübergreifenden Unterricht


Hürden:


  • Mögliche fehlende Ernsthaftigkeit seitens der SuS: sie setzen sich nicht ernsthaft mit dem Thema auseinander. Wo zieht man die Grenze, was man noch akzeptiert und was offensichtlicher Blödsinn ist?
  • geblockte Stunden wie Kunst oder DGB, in denen die Methode gut eingesetzt werden kann, finden oft am Nachmittag statt, wo bei vielen SuS nicht mehr die nötige Energie bzw. Konzentration vorhanden ist, um so etwas gut durchführen zu können