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INFORMATIONSBLATT FOLGE 81

DER MODERNE FECHTSPORT


Fechten ist ein Kampfsport nach dem Prinzip TREFFEN UND NICHT GETROFFEN WERDEN. Fechten erfordert eine große Anzahl körperlicher, geistiger und psychischer Fähigkeiten. Geschicklichkeit, Schnelligkeit, Kraft, Ausdauer, Konzentrationsvermögen, Kampfgeist, Taktik und List sind Faktoren, die man einem guten Fechter zuschreibt und in vielen Trainingsjahren entwickelt werden müssen.

DIE FECHTWAFFEN

Florettfechten: das Florett ist eine Stichwaffe (nur die Spitze trifft). Gültige Trefffläche ist der Oberkörper (ohne Arme und Kopf). Seit 2008 zählt auch der untere Teil des Maskenlatzes zur gültigen Trefffläche. Florettfechten beruht auf dem Angriffs-Verteidigungsprinzip. Der früher begonnene Angriff hat Vorrecht, muß daher abgewehrt werden (Parade), dann erst ist ein Gegenangriff möglich. Gleichzeitige Angriffe werden nicht gezählt. Florett wird von Damen und Herren gefochten.
Degenfechten: Degen ist eine Stichwaffe (nur die Spitze trifft). Gültige Trefffläche ist der ganze Körper. Der Fechter, der früher trifft, erhält den Punkt. Bei gleichzeitigen Treffern werden beide gezählt (Doppeltreffer). Degen wird von Damen und Herren gefochten.
Säbelfechten: der Säbel ist eine Hieb- und Stichwaffe. Gültige Trefffläche ist der gesamte Oberkörper (ab der Gürtellinie aufwärts inkl. Kopf und Arme). Wie beim Florett wird nach Angriffs- Verteidigungsprinzip gefochten. Der Säbel wird von Herren und seit 1998 auch von Damen gefochten.

DIE WICHTIGSTEN FECHTAKTIONEN

Angriff: Offensivaktion (mit Armstreckung!) mit dem Ziel, den Gegner zu treffen. Wer mit dem Angriff beginnt, hat das Treffervorrecht. Dieser Angriff muß mit einer Parade abgewehrt werden.
Parade: Defensivaktion mit dem Ziel, die angreifende gegnerische Klinge mit der eigenen Waffe zu beseitigen (Klingenparade) bzw. am Treffen zu hindern, z.B. durch eine Ausweichbewegung mit dem Körper (Körperparade).
Linie: Position, bei der die gültige Trefffläche des Gegners mit gestrecktem Arm mit der Spitze bedroht wird. Gegen diese Position darf nicht frei angegriffen werden, die Linie muß z.B. mittels Klingenschlages (Battuta) beseitigt werden. Die Linie muß vor dem Beginn des gegnerischen Angriffs gestellt werden.
Tempoaktion: Stich oder Hieb in einem zusammengesetzten Angriff des Gegners, wobei die Tempoaktion vor dem Treffer des Angreifers aufkommen muß.
Gleichzeitige Angriffe: beim Degenfechten zählen beide Treffer (Doppeltreffer). Beim Florett- und Säbelfechten werden in diesem Fall die Treffer nicht gezählt. Während im Florett bei einem ungültigen Treffer das Gefecht unterbrochen wird, wird im Säbel ein Treffer außerhalb der gültigen Trefffläche ignoriert.

DER WETTKAMPF

Die Fechtbahn (Planche): Die Planche ist 14 Meter lang und 1,50 - 2,00 Meter breit. Auf der Fechtbahn gibt es folgende Markierungen: in der Mitte die Mittellinie, 2 Meter dahinter die Startlinie, weitere 3 Meter dahinter die Warnlinie (Florett, Degen, Säbel), 2 Meter dahinter die Endlinie. Überschreitet ein Fechter nun mit beiden Beinen die Endlinie, bekommt er sofort einen Straftreffer.
Das Kampfgericht: beim Florett-, Degen- und Säbelfechten entscheidet ein Kampfleiter mit Hilfe der elektrischen Trefferanzeige. (Das USI besitzt übrigens Treffermelder, die für jede Waffe geeignet sind!). Der Kampfleiter führt das Gefecht, analysiert und entscheidet die Rechtmäßigkeit der Aktionen.
Gefechtsdauer: Vor- (Index-) runde: Gefechte auf 5 Treffer in maximal 3 Minuten. Direkte Elimination, Finale; Gefechte auf 15 Treffer in maximal 3 mal 3 Minuten. Es wird nur die reine Kampfzeit, also ohne Unterbrechungen, gemessen.
Der Wettbewerb (Turnier): das Starterfeld wird nach der Rangliste in möglichst gleich starke Runden mit je 5 bis 7 Fechtern eingeteilt, die jeder gegen jeden auf 5 Treffer fechten. Aus diesen Runden scheiden 20% - 30% der Teilnehmer (wird von der Turnierleitung festgelegt) aus. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die direkte Elimination (K.O.-System) mit Gefechten auf 15 Treffer. Die verbliebenen Turnierteilnehmer fechten eine Direktausscheidung ohne Hoffnungslauf auf 64 bzw. 32, 16 bis auf 8 Fechter. Im Finale der letzten 8 Fechter werden mittels eines Durchganges die 4 Sieger ermittelt. Der nächste Durchgang besteht aus 2 Gefechten, wobei die Verlierer dieser beiden Gefechte sich den 3. Platz teilen, die beiden Sieger um den 1. und 2. Platz rittern.

FECHTKURSE UND TRAINING

Das Universitäts-Sportinstitut Wien (USI Wien): bietet die Möglichkeit an, Fechtkurse in jeder Waffe (Florett, Degen und Säbel) und Ausbildungsstufe (Anfänger, Fortgeschrittenen und Turnierfechter) zu inskribieren und an ihnen teilzunehmen. Die Kurse sind für Studenten/Innen, Akademiker/Innen, Schauspieler/Innen und Schüler/Innen (ab 16 Jahren) zugänglich. Infos auf www.usi.at
Der Akademische Sportclub Wien (ASC Wien), Sektion Fechten: bietet den USI-Studenten/Innen die Möglichkeit, an Fechtturnieren der Fechtverbände (FIE, ÖFV, WLFV) teilzunehmen, wenn sie die Anfänger- und Turnierreifeprüfungen in den jeweiligen Waffen abgelegt haben. Infos auf www.asc-fechten.com
Alois TANZMEISTER

Wien, im September 2010/info081

 

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