Skip to end of metadata
Go to start of metadata

Thema: Rückzug als Widerstand (am Beispiel von alternativen Lebensformen)

In diesem Projekt soll eine Form des Widerstands gezeigt werden, die sich in der Art und Weise wie das persönliche Leben gestaltet ist, zeigt. Alternative Lebensformen, Kommunen, Öko-Dörfer, usw. zeigen eine andere Form von Protest und Widerstand: Den Rückzug. Wer sich zurückzieht, stellt sich nicht in den Weg, versucht nicht die Macht zu übernehmen und erhebt auch keine kollektiven Forderungen. Ziel ist es eine neue Form des Lebens zu gestalten, die Menschen ziehen sich zurück, weil sie die herrschenden Verhältnisse ablehnen und um auf diese Weise eine politische Veränderung sowie einen gesellschaftlichem Wandel beizutragen. "Den Aktivist*innen erschien die Art zu arbeiten, zu wohnen, zu essen, einzukaufen, sich fortzubewegen, Sex zu haben, Beziehungen zu pflegen und sogar das eigene Gefühlsleben von einer herrschaftlichen und zerstörerischen Logik durchzogen".

Patentext: Wallmeier, Philip. “Dissidenz Als Lebensform. Nicht-Antagonistischer Widerstand in Öko-Dörfern.” Macht Und Wandel in Der Umweltpolitik, 2015, 181–200.

Da der Rückzug oftmals als Weltflucht und nicht als Widerstand verstanden wird, habe ich eine Passage aus dem Text von Philip Wallmeier ausgewählt, die 10 Eigenschaften des Rückzugs als Widerstand aufzeigen.

"1) Der »Rückzug« ist Systemkritik. Wer weggeht, tut dies, weil Wandel »von
innen« ausgeschlossen scheint.
2) Der »Rückzug« ist ein klares Nein. Wer weggeht, beendet das Gespräch (für den Moment) und markiert eine Grenze.
3) Der »Rückzug« ist aktiv. Er ist das Gegenstück zu »leerem Geschwätz«.
4) Der »Rückzug« betrifft die eigene Lebensform. Wer weggeht sagt: (auch)
ich muss jemand anderes werden.
5) Die Perspektive des »Rückzugs« liegt jenseits des Staats. Wer weggeht,
verlässt auch die verfassten politischen Institutionen.
6) Der »Rückzug« ist der Beginn von etwas Neuem. Wer weggeht, will dem
Ressentiment entkommen.
7) Der »Rückzug« ist optimistisch. Wer weggeht, deutet an: das geht besser,
man kann sehr wohl etwas tun!
8) Der »Rückzug« ist im Ziel unterbestimmt. Wer weggeht, geht zu keinem
bestimmten Ort, sondern deutet an: Das muss ›irgendwie anders‹ gehen.
9) Der »Rückzug« ist voraussetzungsvoll. Wer weggeht, kann (und darf) gehen.
10) Der »Rückzug« ist kein Normbruch. Wer weggeht, bricht nicht die Regeln,
sondern konfrontiert die Ordnung mit sich selbst."

Gestaltungsidee: Kurzfilm

Mein Kurzfilm dreht sich um den Protagonist „Aipotu“, der mit seinem Leben in der Stadt mehr als unzufrieden ist. Er hinterfragt die gesellschaftlichen sowie politischen Systeme, in die er hineingeboren wurde. Aitopu ist überzeugt davon, dass die Politik und Großkonzerne die Zivilgesellschaft als Marionetten benutzen, um ihre Macht und Kontrolle zu sichern. Überkonsum, Klimawandel gefolgt von einer globalen Krise nach der anderen prägen das Alltagsbild der Gegenwart. Aitopu träumt oft von einem anderen Leben. Raus aus der Stadt, raus aus dem Hamsterrad. Wie sieht dieses andere Leben aus? Ein Leben das sich nicht ständig um Geld, Gier und Machtgeilheit dreht. Aitopu erzählt seinen Freunden von dem Wunsch nach einem anderen Leben in einer besseren Welt, die nicht primär gegen etwas sondern etwas Neues ist. Sie verstehen sein Anliegen, doch vertrösten ihn mit der Behauptung: „Die Welt ist einfach so, da ist nichts zu machen. Die da oben, die richten sich es wie sie wollen. Das war schon immer so, da wird sich nichts ändern“. Aitopu steht auf, beendet das Gespräch und zieht sich zurück.

Ich werde den Film in schwarzweiß gestalten. Es wird nicht gesprochen bis zu dem entscheidenden Gespräch, ab dem sich Aitopus Leben verändern wird. (Wendepunkt) Das ist der Moment in dem er sich für den Rückzug entscheidet. Die Schlussszene (Der Rückzug) wird in farbe gefilmt. Zur Bearbeitung hab ich IMovie verwendet. 

Erste Einblicke in Aipotu´s Alltag in Wien:

IMG_0772.movIMG_0789.movIMG_0759.mov

Ohne Titel Kopie.mov

Zwischenbericht: (noch nicht die finale version) 

aipotu.mp4


Endfassung: 

Die Gestaltungsidee hat sich zum oben beschriebenen Zwischenergebnis ein wenig verändert: Es gibt kein entscheidendes Gespräch in dem der Protagonist seinen Rückzug ankündigt. Stattdessen wird eine ästhetische Aufarbeitung im Film hervorgehoben, die rund um die Thematiken: Politik, Arbeit, Konsum, und Personalität verlaufen. Um den Rückzug als Widerstand und seine Dialektik zu verdeutlichen habe ich die 10 Eigenschaften des Rückzugs, von Philip Wallmeier, eingebaut.  


aipotu.lowquality.mp4




  • No labels