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Vierte Wand

Deutsch

Vierte Wand

Englisch

Fourth wall

Französisch

Quatrième mur

Definition

Die Metapher der "vierten Wand" deutet im Theater eine strikte Trennung zwischen Bühne und Zuschauerraum an (eine "unsichtbare" Wand trennt Zuschauerraum und Bühnenraum, bezogen auf die nur einseitig offene Guckkastenbühne). Dies bedeutet, dass die Schauspieler so agieren, als wäre das Publikum nicht anwesend. Diese Abtrennung entwickelte sich im 19. Jahrhundert im Zuge einer Realismus-Bewegung.
Für den Spielfilm bedeutet das einerseits, dass die Akteure agieren, als sei das Publikum und die Kamera nicht vorhanden. Die Figuren und das Spiel finden in einer eigenen Realität (Diegese) statt. Zum anderen sind die inner-filmische, diegetische Welt und die Realität des Zuschauers strikt voneinander getrennt. Ein Blick in die Kamera und somit zum Zuschauer ist in diesem Stil ebenso verboten wie ein direktes Ansprechen des Publikums oder Anspielungen, die auf diese Trennung von Spiel- und Realwelt verweisen. Die Illusion einer geschlossenen Diegese würde dadurch gestört werden.

Durchbrechen der vierten Wand

Besonders im frühen Kino (bis etwa 1906), dem sog. "Kino der Attraktionen", war es üblich, dass die Schauspieler direkt den Blick in die Kamera suchten. "Die Schauspieler blicken immer wieder direkt in die Kamera. Dieses Mittel, das später als der Realismus-Illusion abträglich gelten sollte, wird hier noch mit großer Emphase eingesetzt und dient der Kontaktaufnahme mit dem Publikum." (Gunning)

Seit Aufkommen des narrativen Kinos und einer damit einhergehenden Realismus-Forderung, wird das Durchbrechen der vierten Wand meist als bewusster Regelbruch oder als gezielt gesetzte Irritation genutzt.

Zugehörigkeit

Übergeordnete Begriffe

Diegese

Verwandte Begriffe

Illusion

Realismus

Untergeordnete Begriffe

Direktadressierung

Durchbrechen der Vierten Wand

Selbstreferenz

Herkunft - Etymologische Ableitung

Erstnennung

AutorIn

 

Jahr

 

Publikationstitel

 

Publikationsart

 

Beispiele

The Great Train Robbery (1903)

Film: The Great Train Robbery. Reg. Edwin S. Porter. Edison Manufacturing Company, 1903. Film.

Filmstelle: Beispiel für das Durchbrechen der vierten Wand im frühen Kino.

Timecode (Einstellung): 11:25 - 11:40

Timecode (Bild): 11:31

Quelle: "The Great Train Robbery - 1903 Silent Film." YouTube, 2011. Web. 30. Okt. 2012. <http://www.youtube.com/watch?v=8oTdPklBE0Y>.

Funny Games (1997)

Film: Funny Games. Reg. Michael Haneke. 1997. Fox Lorber, 1999. DVD.

Filmstelle: Direkte Adressierung des Zuschauers als bewusst gesetzte Irritation.

Timecode: 29:30
 

Weiterführende Literatur

Gunning, Tom. "Das Kino der Attraktionen. Der frühe Film, seine Zuschauer und die Avantgarde". Meteor 4 (1996): 25-34. Print.

"List of films that break the fourth wall". The Art and Popular Culture Encyclopedia, 2011. Web. 30.Okt. 2012. <http://www.artandpopularculture.com/List_of_films_that_break_the_fourth_wall>.

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