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Unsichtbarer Schnitt

Deutsch

Unsichtbarer Schnitt

Amerikanischer Schnitt

Englisch

smooth cut

continuity editing

Französisch

découpage classique

Definition

Der unsichtbare Schnitt beschreibt nicht eine einzelne Schnittform, sondern generell eine Montageform, die der Verständlichkeit und Orientierung dient. Die in ihm angewandten Techniken folgen einer eigenen, sich in wiederkennbaren Mustern manifestierenden, Erzähl- und Darstellungsökonomie. Der unsichtbare Schnitt hat sich bereits derart etabliert und wird so konventional aplliziert, dass er "naturhaft" wirkt.

Ziel des unsichtbaren Schnitts ist es, möglichst nicht wahrgenommen zu werden. Er soll einen Einblick ins Private der Filmwelt gewähren: Dazu dürfen z.B. kontrastreiche Einstellunggrößen nicht aneinanderprallen, sondern sollten sukzessive (der Größe nach) aneinandergereiht werden, sodass sie einer tatsächlichen langsamen Annäherung gleichen. (Hickethier 143)

Die Vermeidung weicher Übergänge, die zu Irritationen in der fließenden Wahrnehmung führen, kann jedoch auch Ziel der Darstellung sein. (Hickethier 143) Wird z.B. auf  Establishing shots verzichtet und nur mit kleineren Einstellungsgrößen gearbeitet, wirkt der Raum fragmentiert: Die ZuschauerInnen können sich in einem Gefühl der Anspannung, Unsicherheit und Unklarheit im Splitter-Raum Stück für Stück vorantasten und die Lücken, die eine Totale füllen würde, selbst ausfüllen.

Zusätzlich dient der unsichtbare Schnitt der Inklusion und Partizipation: Wird die "Illusion des ununterbrochenen Geschehensflusses" - als alles verhindet, was den Anschluss zweischen zwei Einstellungen irritiert (Jump Cut, Achsensprung, Reißschwenk etc.) - aufrechterhalten, ist es möglich, sich mit dem Geschehen zu verschalten und als unsichtbarer Beobachter zu fungieren. (Hickethier 144f)

Entscheidend ist - wie bei der 180°-Regel, die zum Kosmos des unsichtbaren Schnitts gezählt wird - (die interne Logik des) der narrative(n) Raum(s aufrechtzuerhalten), der sich nicht mit dem der Wirklichkeit decken muss. (Hickethier 145) Oder wie Hickethier schreibt: Es muss die "räumliche Plausibilität des Kamerablicks als Markierung der Position eines zuschauenden Dritten gewahrt bleiben." (Hickethier 146)

Generell gilt, dass sich die Erzählweise des unsichtbaren Schnitts nicht mit Montage beschäftigt, sondern mit der Darstellung vor der Kamera, im weitesten Sinne der Mise-en-scène: In ihr kann die Wirklichkeitsillusion am ehesten entfalten, da die Apparatur hinter dem Schein verschwindet. Das Gezeigte erscheint als insofern "realistisch", da die Konventionen der Darstellungsweise den ZuschauerInnen als selbstverständlich erscheinen. (Hickethier 148)

Spätestens Laura Mulvey hat in ihrer richtungsweisenden Untersuchung klassischer Hollywoodfilme ("Visuelle Lust und narratives Kinos") evident gemacht, dass die Techniken des unsichtbaren Schnitts und die damit einhergehenden Blickstrategien problematisch im Sinne der Subjekt-Konstitution im Kino sind. Besonders der Einblick ins Private und die Verschaltung der Zuschauerblicke mit dem male gaze stellen das klassische Kino als ein von patriarchalen Strukturen durchsetztes heraus. (Mulvey 389-408)

Zugehörigkeit

Übergeordnete Begriffe

Gestaltungsmittel

Schnitt

Verwandte Begriffe

180-Grad-Regel

Vierte Wand

Untergeordnete Begriffe

Herkunft - Etymologische Ableitung

Erstnennung

AutorIn

 

Jahr

 

Publikationstitel

 

Publikationsart

 

Weiterführende Literatur

Bordwell, David, und Kristin Thompson. Film Art. An Introduction. New York: McGraw-Hill, 2008. Print.

Mulvey, Laura. “Visuelle Lust und narratives Kino." Texte zur Theorie des Films. Hrsg. Franz-Josef Albersmaier. 5 Aufl. Stuttgart: Reclam, 2003. Print.

  1. 04. Dec 2012

    Begriff:
    In Deutsch gibt es in jedem Fall mehr Varianten. In Französisch kommt der Begriff auch vor.

  2. 08. Jun 2013

    Welches Werk in welcher Auflage wurde hier von Hickethier zitiert?

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