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Operationalisierung

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Operationalisierung

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Operationalisation

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Definition

Der Vorgang der Operationalisierung ist für jedes wissenschaftliche Vorhaben essentiell. Er beschreibt, wie Arbeitsschritte sowie die Arbeitsweise im Rahmen des Analysezweckes festgelegt werden. Ganz besonders ist die Operationalisierung aufgrund forschungsökonomischer Aspekte von Bedeutung. Sie dient in erster Folge zur Festlegung der Arbeitsschritte auf der Basis der von Lothar vorgeschlagenen Frage: “Was ist in einer gegebene Zeit an welchem Gegenstand in welcher Weise zu leisten, um dem Erkenntnisinteresse und den sich daraus ableitenden Fragestellungen gerecht zu werden?” (Mikos 72) Vorgebeugt wird insofern einer prinzipiell endlosen Analyse: Ihr werden durch die verschiedenen, in der Literatur mannigfaltig andersartig differenzierten, Schritte Eingrenzungen auferlegt, sodass sie unter den gegebenen Bedingungen endlich und durchfürchbar wird.

Im Wechselspiel von Anschauung und theoretischer Reflexion werden durch die Operationalisierung konkrete Fragestellungen gewonnen, durch die die Analyse letztlich angeleitet wird.

Lothar stellt folgende Arbeitsschritte der Operationalisierung vor, die für die Filmanalyse als Leitfaden nützlich sein können, und sich generell mit dem Großteil der in Methodenbüchern vorgestellten Schritte decken:

Nach der 1. Entwicklung eines allgemeinen Erkenntnisinteresses, das aus theoretischen oder historischen Ansätzen vor der Analyse gewonnenes wird (Mikos 75), folgt die 2. Anschauung des Materials, die optimalerweise mehrfach und parallel zu sämtlichen Analyseschritten erfolgt. Denn: “Die Analyse steht in einer doppelten Beziehung zum Material der bewegten Bilder: Einserseits werden ihre Erkenntnisse aus der Anschauung des Materials gewonnen, andererseits müssen diese gewonnenen Erkenntnisse immer wieder durch Anschauung überprüft werden.” (Mikos 76) Darauf folgt 3. Die Theoretische und historische Reflexion, welche die Lektüre theoretischer und historischer Abhandlungen, die für das Erkenntnisinteresse von Bedeutung sind, umfasst (Mikos 77) und der 4. Konkretisierung des Erkenntnisinteresses dient, womit auch das Ziel der Analyse benannt ist. “Das konkrete Erkenntnisinteresse entwickelt sich aus dem doppelten Zugriff auf die Film- und Fernsehtexte: aus der Anschauung und der theoretischen oder historischen Reflexion.” (Mikos 77)

Auf Basis des Erkenntnisinteresses lassen sich 5. Fragestellungen entwickeln, die leitend für die Analyse sind. Die Fragen zielen darauf ab, das Exemplarische oder Besondere des Filmes, auf das sich das konkrete Erkenntnisinteresse richtet, herauszuarbeiten. (Mikos 78) Selbstverständlich - das bedingt forschungsökonomisches Vorgehen - sollte das vorliegende Material eingregrenzt werden, damit sich ein zu bearbeitender Analysekorpus bilden kann, was Mikos wiederum als eigenen Schritt mit der Bezeichnung 6. Eingrenzung des Materials bzw. Bildung des Analysekorpus einteilt. Besonders bei einem Korpus von mehreren Filmen notwendig, jedoch auch bei einem einzelnen: “Bei der Eingrenzung des Materials bzw. der Auswahl des Analysekorpus muss der Zweck der Analyse und die zur Verfügung stehende Zeit berücksichtigt werden.” (Mikos 80) Ist das bereits eingregrenzte Material vorliegend, stellt der nächste Schritt die 7. Festlegung der Hilfsmittel dar: Zum einem selbstverständlich technische Hilfsmittel zur Sichtung der/s Filme/s, zum anderen schriftliche/graphische Hilfsmittel zur Visualisierung und Beschreibung von Filmen (Filmprotokoll) (Mikos 81), mit der die 8. Datensammlung durchgeführt werden kann.

Nach der Dokumentation des zu analysierenden Materials (Mikos 82) folgt die 9. Beschreibung der Datenbasis, in der Ablauf, Inhalt und Plot des Films in Worte gefasst werden, um sich der empirischen Datenbasis zu versichern. Diese orientiert sich am Erkenntnisinteresse und lässt deutlich werden, “welche Sinnangebote die Film- und Fernsehtexte machen und wie sie Bedeutung bilden”. (Mikos 82) Im nächsten Schritt kommt es zur 10. Analyse der Daten: Hier wird die eigentliche Grundarbeit geleistet: die “Bestandsaufnahme der Komponenten der Filme” (Mikos 83). Dazu ist bereits theoretisches Wissen vonnöten, damit die Strukturen des Films im Sinne des Erkenntnisinteresse sichtbar werden. Die Zerlegung der Filme führt zur Offenlegung ihrer Struktur. Je nach Erkenntnisinteresse werden die kleinsten, der Analyse zugänglichen, Einheiten (Einstellung), Szenen (Einheit von Ort und Zeit in der sie eine kontinuierliche Handlung vollzieht) oder Sequenzen (Gruppe von miteinander verbundenen Szenen) analysiert. (Mikos 83f)

Nach der 11. Auswertung, in der die strukturellen Komponenten der Filmtexte im Hinblick auf ihre Bedeutungsbildung interpretiert und in einen Kontext eingeordnet werden, folgt die 12. und 13. Evaluation (I und II): hier werden die Ergebnisse der Analyse vor dem Hintergrund der Literatur bewertet. In einem weiteren Schritt werden die “eigenen Ergebnisse vor dem Hintergrund des Erkenntnisinteresses und der Operationalisierung bewertet.” (Mikos 86) Fragen, wie ob der gewählte Weg der Analyse angemessen und zielführend  war, tauchen hier als für die wissenschaftliche Arbeit unabdingbare Selbst-Reflexion auf. Der letzte Schritt ist selbstverständlich die 14. Präsentation der Ergebnisse (mündlich und/oder schriftlich) in einer nachvollziehbaren (und intersubjektiv überprüfbaren) Weise und Form. (Mikos 87)

Zugehörigkeit

Übergeordnete Begriffe

Filmanalyse

Verwandte Begriffe

Analyseinstrumente

Analysewerkzeug

Untergeordnete Begriffe

Einstellungsprotokoll

Filmprotokoll

Sequenzgrafik

Sequenzprotokoll

Herkunft - Etymologische Ableitung

Erstnennung

AutorIn

 

Jahr

 

Publikationstitel

 

Publikationsart

 

Beispiele

Weiterführende Literatur

Becker, Wolfgang, und Norbert Schöll. Methoden und Praxis der Filmanalyse. Untersuchungen zum Spielfilm und seinen Interpretationen. Opladen: Leske, 1983. Print.

Faulstich, Werner. Die Filminterpretation. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1988. Print.

Korte, Helmut. Einführung in die systematische Filmanalyse. 3. Aufl. Berlin: Erich Schmidt, 2004. Print.

Mikos, Lothar. Film- und Fernsehanalyse. Konstanz: UVK, 2003. Print.

  1. 03. Dec 2012

    Begriff:
    Französische Variante fehlt.

    1. 19. Dec 2012

      David Auer sagt:

      Habe leider keine zufriedenstellende französische Variante gefunden, aber als Vorschlag "Mesurabilité" (Messbarkeit) angegeben.

      Würde "faire mesurable" (messbar machen) gehen? (ich weiß leider nicht, ob "mesurable" durch das Verb eine Transformation erfährt oder einfach "mesurable" bleibt)

      1. 08. Jan 2013

        Wir machen keine selbstübersetzungen. Wenn es den Fachbegriff wirklich nicht gibt, dann mache einen "-" an entsprechender Stelle.

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