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Metrische Montage

Deutsch

Metrische Montage

Englisch

Metric Montage

Französisch 

Definition

Die metrische Montage folgt ihrem eigenen vorgegebenem Schnittrythmus, welcher verlgiechbar ist mit einem Versmaß in der Literatur. Hierbei zählt die Länge der Einstellungen, nicht deren eigentlicher Inhalt.

Definition von Sergej Axjonow

„§15. Metrische Montage. Die Gegenüberstellung, die bei dieser Art von Montage angewendet wird, gehört zu den einfachsten. Sie besteht […] darin, daß die wesentlichste Bewegung einer Einstellung in der nächsten fortgeführt wird, die sich von der vorangehenden und der folgenden nur durch ihre Länge unterscheidet. Die visuelle Trägheit des Betrachters bringt ihn dazu, diese Einstellungen für gleichwertig zu halten, und da die eine der Einstellungen kürzere Zeit auf der Leinwand zu sehen ist als die andere, hält man die Bewegung darauf für schneller. In Wirklichkeit stimmt das nicht: Die cadres beider Einstellungen sind identisch. So entsteht ein metrischer Konflikt, der von einer einfachen metrischen Proportion gesteuert wird. Sie ist einfach zu berechnen und zu regulieren: Der Filmstreifen wird auf dem Schneidetisch in simpelster Weise abgemessen.
Die metrischen Relationen im Wechsel der Einstellungen lassen sich auf drei Grundprinzipen zurückführen; auf
a) das Gesetz einfachster Relationen, das man aus der Architektur kennt. […] Man muß dabei beachten, daß der Effekt am besten funktioniert, wenn man von einer Zahl ausgeht, die in einem metrischen Zusammenhang mit der Art der Bewegung im cadre steht. Wenn Einstellungen montiert werden, die den Marsch einer Militärkolonne oder einen Demonstrationszug zeigen, wird der Metrage ein geradzahliges Verhältnis zugrunde gelegt: 1:2; wenn ein Tanz im Dreivierteltakt montiert wird, zum Beispiel ein Walzer oder ein Tango, wird ein 3:4 die Basis sein, usw. Möglich ist auch ein symbolisches Spiel mit Gegenüberstellungen: Wenn man das Marschieren verspotten und zeigen will, daß es nicht ernst zu nehmen ist, wählt man einen tänzerischen metrischen Koeffizienten – der Marsch sieht dann montiert wie ein Walzer oder ein Cancan aus. Diese Methode wurde seinerzeit von Kuleschow und seinen Schülern entwickelt.
b) Das Gesetz komplizierter Relationen, das aus dem Wunsch entsteht, die Primitivität der metrischen Montage vielgestaltiger zu machen. Diese Methode bringt meist nicht den gewünschten Effekt, da Relationen wie 16:17, 22:57 oder 17:5 nicht in ihrer Kompliziertheit wahrgenommen werden, sondern (durch die visuelle Trägheit) nur in einer ungefähren Abrundung. Der Zuschauer nimmt sie wie 16:16 oder 16:4 im ersten und dritten der angeführten Fälle wahr, im zweiten erfaßt er die Relation gar nicht. Dsiga Wertow hat in dieser Richtung experimentiert. Sein Film >>Das elfte Jahr<< hat die Unbrauchbarkeit dieser Methode ziemlich überzeugend nachgewiesen.
c) Das Gesetz kombinierter Relationen. Diese Art von metrischer Montage ist im Vergleich zur vorangegangenen eine Kombination höherer Ordnung. Die Einstellung wird in kleinen Abschnitten wiederholt, die einem einfach metrischen Verhältnis unterliegen. Und dieses zusammengeklebte Stück wird dann in Abschnitten wiederholt, die in komplizierten Relationen zueinander stehen. Dadurch wird ein- und dieselbe cadre-Folge in verschiedener Metrage zweifach wahrgenommen, was erlaubt, die visuelle Trägheit zu überwinden, die komplizierte metrische Beziehungen normalerweise vereinfacht oder verfälscht. Diese Art der Montage bringt allerdings den gewünschten Effekt nur, wenn das cadre möglichst eindeutig ist, denn sonst wird die Aufmerksamkeit des Zuschauers nicht genügend gefesselt, und das metrische Spiel bleibt unbemerkt. Beispiele für eine solche Montage wären: die >Lesginka< in Eisensteins Film >>Oktober<< und die >patriotische Manifestation< in >>Das Ende von St. Petersburg<< von Pudowkin. Eisenstein hat letzteres Beispiel oft als klassisches für eine rein metrische Montage genannt.“ (Axjonow 63ff)

Zugehörigkeit

Übergeordnete Begriffe

Montage

Verwandte Begriffe

Oberton-Montage

Rhythmische Montage

Tonale Montage

Untergeordnete Begriffe

Herkunft - Etymologische Ableitung

Die Metrische Montage wurde, wie viele andere Montageformen, in den 20er Jahren im russischen Revolutionsfilm entwickelt. Im speziellen war für diese Art der Montage Eisenstein verantwortlich, welcher im Rahmen von theoretischen Abhandlungen mehrere Male seine Meinung zu Montage äußerte. (Hickethier 149) "Montage stellte für ihn ein >intellektuelles< Potential dar. Der Zuschauer sehe, so seine Vorstellung, die Einstellungen in einem Zusammenhang, so dass sich für ihn im Zusammenprall, in der Kollision der Einstellungen eine Einheit aus den verschiedenen Einstellungen ergebe. [...] Häufig verwendet Eisenstein [...] Montageprinzipien, die sich an musikalischen Formen orientieren." (Hickethier. 2007. S.149) Dazu zählt neben der metrischen Montage auch noch die rhythmische Montage, die tonale Montage und die Oberton-Montage. (Hickethier 149f)

Erstnennung

AutorIn

 

Jahr

 

Publikationstitel

 

Publikationsart

 

Beispiele

Metrische Montage

Erklärung: Eine Person hat selbst ein Video gestaltet, welches die metrische Montage darstellen soll.

Quelle: "Metric Montage." YouTube, 13. Aug. 2011. Web. 06. Nov. 2012. <http://www.youtube.com/watch?v=l-s_OvfAkko>.

Oktober (1928)

Film:  Oktyabr. Reg. Sergei M. Eisenstein, und Grigori Aleksandrov. Sovkino, 1928. Film.

Erklärung: Ein Filmausschnitt des Films "Oktober" von Eisenstein, in welchem das Prinzip der metrischen Montage angewandt wird.

Quelle: "Metric Montage." YouTube. 8. Okt. 2008. Web. 06. Nov. 2012. <http://www.youtube.com/watch?v=JOr_CPpx9os>.

 Film (Metrische Montage): 0:15:25-0:16:55

Weiterführende Literatur

Axjonow, Iwan. Sergej Eisenstein. Ein Portrait. Berlin: Henschel, 1997. Print.

Hickethier, Knut. Film- und Fernsehanalyse. 4. Aufl. Stuttgart: Metzler, 2007. Print.

  1. 21. Nov 2012

    "Weiterführende Literatur" ist allein schon alles, woraus ihr zitiert habt

  2. 03. Dec 2012

    Begriff:
    Französische Variante fehlt.

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