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Filmprotokoll

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Filmprotokoll

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Definition

Ein Filmprotokoll ist eine schriftliche Fixierung eines Films. Welche Aspekte des Films festgehalten werden, hängt dabei von dem Erkenntnisinteresse des Untersuchenden ab. 

Definition von David Bordwell und Kristin Thompson

Bordwell und Thompson beschreiben im Appendix zu ihrem Standardwerk Film Art. An Introduction die Schritte, die bei der Filmanalyse getätigt werden sollten:

Zum Einen ist es für die Analyse wichtig herauszuarbeiten, wie u.a. die Szenen eines Films zusammewirken. Dafür ist es von Nutzen, die "Blaupause" eines Films vor sich zu haben. Zum Anderen wird diese jedoch nicht mit dem Werk mitgeliefert, so muss sie selbst angefertig werden.

Um einen größeren Eindruck des vorliegenden Filmes zu gewinnen, lohnt es sich am ehesten, eine Gliederung des Ablaufs („segmentation“) zu fertigen. Das Gesamte des Films in Einzelteile schriftlich oder bildlich zu zerlegen gibt einen Überblick, der bereits Strukturen offenlegt, auf Basis dessen bereits die Fragestellung abgeleiten werden kann. Festgestellte, schon auf den ersten Blick ersichtliche Regelmäßigkeiten und Muster können so in die Argumentation eingewebt werden. Die Zergliederung in die für die Analyse wichtigen Einzelteile/Segmente offenbart oft schon Verbindungen und Querverweise in der Filmstruktur.

Auf die Frage: „Should you include your segmentation in your written analysis?“ (Bordwell und Thompson 342) erwidern Bordwell und Thompson, dass die Einarbeitung der in den Protokollen fixierten Daten in den Text die Argumentation unterstützt und nachvollziehbar macht. Durch eine präzisere Gliederung („finer-grained segmentation“) kann die Argumentation gar noch mehr Überzeugung gewinnen.

Je nachdem, die Visualisierung bzw. Verschriftlichung detaillierter Protokolle schafft eine Basis für eine genaue Untersuchung und ist insofern relativ unabdingbar. (Bordwell und Thompson 341ff)

Definition von Knut Hickethier

1964 entwickelte Gerd Albrecht ein Kategoriensystem der Filmanalyse, um das flüchtige Filmerlebnis in schriftlicher Form festhalten zu können. Das Zeil des System war es, “möglichst viele Informationen durch eine systematisierte Betrachtung des Films […] zu notieren.” (Hickethier 32f) Das so gefasste Filmprotokoll war insofern von Bedeutung, als dass die wissenschaftliche Tätigkeit Albrechts in eine Zeit fiel, in der Filme noch nicht wie heute weitläufig verfügbar waren, sondern lediglich im Kino selbst und am Schneidetisch zur Besichtigung vorlagen. Erst durch die Einführung von Videokassetten wurden Filme auf breiterer Basis zugänglich.

Filme, aber auch Fernsehsendungen, wurden durch das Protokoll im wissenschaftlichen Diskurs "zitierbar": im großen und ganzen gewährleisten sie die generell in der Wissenschaft geforderten intersubjektive Überprüfbarkeit.

Hickthier äußert Zweifel gegenüber dem Filmprotokoll, da eben technische Entwicklungen der neueren Zeit es möglich machen, das Material selbst direkt mit dem gelesenen Text zu besichtigen. Ebenso besteht die Gefahr, "dass sich die Analyse bereits im Protokollieren erschöpft". Zwar sei die Verwendung von Hilfsmitteln, die zur Analyse spezieller Sequenzen eines Filmes entwickelt wurden (SequenzprotokollEinstellungsprotokoll), durchaus sinnvoll und begründet, aber - so der Autor - "nicht für jede Filmanalyse ist die minutiöse Transkription aller Einstellungen eines Filmes unbedingte Voraussetzung." (Hickethier 34)

Die Verfügbarkeit des Objekts, das im Fokus der Analyse steht, ist für die wissenschaftliche Auseinandersetzung zwar unabdingbar: das Protokoll jedoch macht den Film nicht verfügbar, sondern stellt lediglich ein in seinen Informationen stark reduziertes Dokument dar. Hickethier vertritt die Auffassung, dass die “Anschaulichkeit von Bewegungsabläufen, filmischen Einstellungsabfolgen, das audiovisuelle Zusammenspiel der unterschiedlichen ästhetischen Mittel […] in der Betrachtung des Films selbst schneller und besser zu erfahren [ist] als über die mühsame Lektüre eines Protokolls.” (Hickethier 34) Die vollständige Protokollierung eines gesamten Films sei laut aktuell weitläufig verfügbarer Techniken zur Aufzeichnung und Wiedergabe deshalb kaum noch plausibel zu begründen. (Hickethier 32ff)

Folgende Protokollierungsverfahren haben sich bewährt: Einstellungsprotokoll, Sequenzprotokoll

Zugehörigkeit

Übergeordnete Begriffe

Filmanalyse

Verwandte Begriffe

Analyseinstrumente

Analysewerkzeug

Objektivität

Operationalisierung

Untergeordnete Begriffe

Einstellungsprotokoll

Sequenzprotokoll

Herkunft - Etymologische Ableitung

Erstnennung

AutorIn

Becker, Wolfgang / Schöll Norbert

Jahr

1983

Publikationstitel

Methoden und Praxis der Filmanalyse. Untersuchungen zum Spielfilm und seinen Interpretationen

Publikationsart

Monographie

Beispiele

Filmprotokoll von Helmut Korte

Quelle: Korte, Helmut. Einführung in die systematische Filmanalyse. 3. Aufl. Berlin: Erich Schmidt, 2004: 190-191. Print.


Weiterführende Literatur

Bordwell, David, und Kristin Thompson. Film Art. An Introduction. New York: McGraw-Hill, 2008. Print.

Faulstich, Werner. Die Filminterpretation. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1988. Print.

Hickethier, Knut. Film- und Fernsehanalyse. 4. Aufl. Stuttgart: Metzler, 2007. Print.

Korte, Helmut. Einführung in die systematische Filmanalyse. 3. Aufl. Berlin: Erich Schmidt Verlag, 2004. Print.

  1. 21. Nov 2012

    Die Erstnennungen entsprechen der Weiterführenden Literatur, keinen Erstnennungen
    Gibt es wirklich keine anderssprachigen Begriffe für diesen Terminus?

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