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180°-Regel

Deutsch

180-Grad-Regel

180-Grad-System

Achsensprungregel

Englisch

180°-Degree System

Axis Of Action

Crossing the Line
Französischsaut dans l'axe  

Definition

Die Handlungsachse stellt die imaginäre Verbindung zweier ProtagonistInnen dar. Sie begrenzt den Handlungsraum und bildet zugleich die Grundlage für Kamerastandort und Einstellungsgrößen. Ein Achsensprung beziehungsweise die Nichtbefolgung von 180-Grad-Regel und 30-Grad-Regel sollte vermieden werden, da die ZuseherInnen die Orientierung im filmischen Raum verlieren können.
Die 180-Grad-Regel besagt, dass die Aufstellung der Kameras innerhalb eines Halbkreises auf einer Seite der Handlungsachse erfolgen muss, um die Bewegungsrichtungen im Film aufrecht zu erhalten. Solange die Kamera auf der gleichen Seite dieser Achse bleibt, erfolgen Bewegungen in der gleichen Richtung. Wird die Achse überschritten, kehrt sich die Bewegungsrichtung für die Zusehenden scheinbar um.

Definition von David Bordwell und Kristin Thompson

Die 180-Grad-Regel oder Achse zählt zu einer die narrative Kontinuität wahrenden Inszenierungs-Technik, die sich von den Anfängen des Erzählfilms (ca. 1908) bis heute in den meisten Film- und Fernsehproduktionen etabliert hat. Zwischen Personen, Dingen etc. in einer Handlung wird eine imaginäre Linie gezogen, die während der gesamten Einstellung/Sequenz nicht überschritten werden sollte. Diese Linie oder Achse bestimmt einen Halbkreis, in der sich die Kamera also optimalerweise während des Shots allein aufhält. Der gesamte Filmprozess (Einstellungen, Schnitt, Mis-en-scène usw.) wird durch diese Regel geleitet. (Bordwell und Thompson 231)


Axis of Action, Dialogszene,                                                    Axis of Action, Western shootout,
(Bordwell und Thompson 233)                                                (Bordwell und Thompson 234)

Die geläufige Lehrmeinung besagt, dass die Position X während einer Szene nicht eingenommen werden darf, da es sonst zum Achsensprung kommt.

Die Gründe dafür beschreiben Bordwell und Thompson wie folgt:

Das 180°-System versichert, dass relative Positionen im frame konsistent bleiben. Aus der Position X gefilmt, würde die relative Position der beiden Objekte (Y1 und Y2) - z.B. während eines Dialogs - vertauscht. Advokaten traditoneller continuity würden diese Einstellung als verwirrend für die ZuschauerInnen deuten.
Auch in der Bewegung eines Objekts, die durch einen Schnitt unterbrochen wird, sollte die Achse beibehalten werden (wird sie nicht beibehalten, könnte angenommen werden, Objekt Y1 ginge z.B. in einem Moment nach links, im anderen plötzlich nach rechts). (Bordwell und Thompson 232)

Selbstverständlich können fast unzählige Beispiele, die die 180°-Regel als unbedingt durchführbar ansehen, gefunden werden. In jedem Fall aber dient sie klassischerweise der Orientierung im Filmraum und der Kontinuität der Erzählung, die in Ursache und Wirkung aufgeht. Insofern ist die axis of action allenfalls als allzu klassisches Regelsystem anzusehen, das während der gesamten Kinogeschichte regelmäßig (erfolgreich) unterlaufen wurde.

Neben der 180°-Regel hat sich auch die 30°-Regel als geometrisches Anwednungsinstrument in der Inszenierung etabliert: Laut Monaco beschreibt sie eine "Grundregel in Hollywoods Continuity Editing, in der sich der Kamerastandpunkt zwischen zwei Einstellungen um mindestens 30° verschiebt, um so anzudeuten, dass der Schnitt einen narrativen Grund hat." Schnitt mit weniger als 30° Differenz würden lediglich wie Sprünge erscheinen und die Aufmerksamkeit auf sich selbst ziehen. (Monaco 245)

Definition von James Monaco

Wichtige Regel der klassischen Filmmontage (Decoupage classique): Die Kamera darf eine gedachte Achse zwischen den handelnden Figuren im Bild nicht überspringen, um so für die Zuschauer die räumliche Orientierung, eine Kontinuität der Bewegung von Aufnahme zu Aufnahme und - besonders bei Großaufnahmen- den Bezug der Person zueinander zu erhalten. (Monaco 10-11)

Zugehörigkeit

Übergeordnete Begriffe

Gestaltungsmittel

Vierte Wand

Verwandte Begriffe

Achsensprung

Bildausschnitt

Filmgestaltung

Kadrierung

Untergeordnete Begriffe

Achsensprung

Einstellung

Schnitt

Herkunft - Ethymologische Ableitung

Erstnennung

AutorIn

 

Jahr

 

Publikationstitel

 

Publikationsart

 

Beispiele

Einsatz der 180-Grad-Regel in dem Film Leon: The Professional

Film: Leon: The Professional. Reg. Luc Besson. Columbia Pictures, 1994. Film. 

Timecode: 0:00:09 - 0:04:05

Weiterführende Literatur

Bock, Hans-Michael, und James Monaco. Film Verstehen. Das Lexikon - Die wichtigsten Fachbegriffe zu Film und Neuen Medien. Reinbeck bei Hamburg: Rowohlt, 2011. Print.

Monaco, James. Film verstehen. Kunst, Technik, Sprache, Geschichte und Theorie des Films und der Medien. Reinbeck bei Hamburg: Rowohlt, 2007. Print.

  1. 17. Dec 2012

    Bitte beim Beispiel eine entsprechende Stelle im Film mit Minuten- und Sekundenangabe geben.

    Zudem wäre ein Beispiel interessant, wo diese Regel gebrochen wird, um ihre Relevanz zu illustrieren.

  2. 03. Dec 2012

    Begriffsvarianten:
    Die Bezeichnung dieser Regel gibt es in noch mehr Sprachen.

  3. 08. Jun 2013

    Auf welches Werk von Bordwell und Thompson wird hier Bezug genommen?

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